Themenübersicht zum Byzantinischen Reich
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Das sogenannte „Griechische Feuer“, die erste chemische Waffe im modernen Sinne, wird von der ersten byzantinischen Quelle, Theophanis Confessor, erstmals anhand der ersten Araber-Belagerung Konstantinopels erwähnt, wo es als eine Erfindung des Kallinikos dargestellt wird. Die west-europäischen Bezeichnungen „Griechisches Feuer“, „Greek Fire“ oder „Feu grégeois“ sind unkorrekt, denn sie sind nicht die genaue Übersetzung des griechischen Begriffs „Hygrón Pyr“, was flüssiges Feuer bedeutet. Diese Bezeichnungen kamen wohl in Mode durch die Kreuzfahrer, die im Orient erstmals mit verschiedenen Feuerwaffen in Kontakt kamen, aber jede dieser zahlreichen Waffen ohne Unterschied „Griechisches Feuer“ genannt haben. Wir wollen den korrekten Begriff Flüssiges Feuer gebrauchen, den die Oströmer in ihren Quellen bisweilen auch durch römisches Feuer oder Seefeuer ersetzt haben. Leider wissen auch moderne Historiker nicht immer, wann eine Quelle vom Flüssigen Feuer oder eine der vielen anderen Feuerwaffen spricht. Deshalb ist es wichtig, sich an die byzantinischen Quellen zu halten, welche uns einige wertvolle, wenn auch wenige Informationen zu dieser Waffe geben. Diese Quellen erwähnen nichts von der chemischen Zusammensetzung, die ein Staatsgeheimnis war und weswegen die Phantasie vieler Schreiber weiterhin angeregt wurde. Die Siphone werden vom Siphonator gehandhabt und sind schwenkbar. Dadurch kann in Kürze jedes feindliche Schiff angezündet und vernichtet werden, denn die abgefeuerte Flüssigkeit ist nicht löschbar. Sie hat den Effekt von Napalm-Brandbomben. Diese Flüssigkeit, deren Rezept nur den Byzantinern bekannt ist, wird vorher in großen Kesseln auf den Dromonen erhitzt und dann vom Siphonator durch einen bestimmten Mechanismus entzündet, wobei eine Explosion entsteht. Einen guten Eindruck von der Waffe bekommt man von der oben abgebildeten Miniatur des Johannis Skylitzes aus dem 11. Jahrhundert, welche sich heute in der Nationalbibliothek zu Madrid befindet. 2). in Töpfen geschleudertes Feuer, breiartige Brand-Gemische, 3). kleine Hand-Siphone für den Nahkampf, welche erst zu Leons Zeit erfunden werden.
Die Araber sind bestrebt, das Geheimnis der Byzantiner zu lüften, jedoch ist das von ihnen entwickelte Arabische Feuer weniger verheerend und wird wohl auch nie gegen die oströmische Flotte eingesetzt. Die Araber schleudern ihr Feuer mit Ballisten oder schwenkbaren Armbrüsten ab. Auch verwenden sie Granaten. Da ein lateinischer Text des Marcus Graecus mit einem Rezept zu einem „Griechischen Feuer“, das Liber Ignium, auf uns gekommen ist, welcher jedoch nicht genau datierbar ist, nehmen viele Historiker an, es handle sich um das Rezept des Flüssigen Feuers. Es handelt sich bei diesem Text wohl um eine Abschrift eines älteren griechischen Originals, das wahrscheinlich durch arabische Vermittlung in den Westen gelangt ist. Somit kann nicht vom Flüssigen Feuer die Rede sein, dessen Herstellung den Arabern unbekannt bleibt, sondern nur von einer der vielen mittelalterlichen Feuerwaffen des Orients, deren Herstellung nie ein Geheimnis war. Jedoch können wir uns aufgrund des Marcus-Graecus-Textes eine ungefähre Vorstellung über die wohl wesentlichen Bestandteile des Flüssigen Feuers machen, nämlich Petroleum oder Naphtha, Salpeter, Schwefel und Harz. Das Petroleum bzw. das Naphtha dient als Grundverbrennungsmittel; der Salpeter und der Schwefel dienen der Sauerstoffzufuhr und sorgen für eine intensivere Verbrennung, außerdem machen sie das Gemisch schwer löschlich; das Harz macht die Flüssigkeit klebrig und somit vernichtender. Einige Historiker zweifeln daran, daß die Byzantiner schon Salpeter gewinnen können. Jedoch wissen wir von antiken Quellen, z. B. von Julius Africanus zu Beginn des 4. Jahrhunderts n. Chr., daß es möglich war. Im gesamten Mittelalter sind die flammenwerfenden Siphone der Byzantiner als Vernichtungswaffe so gefürchtet wie die Atombombe in unserer Zeit, so ungeheuer groß ist der psychologische Effekt dieser Waffe. Und jedesmal, wenn die Feinde des Oströmischen Staates mit irgendeiner Feuerwaffe in Berührung kommen, nennen sie es „Griechisches Feuer“.
Erwähnte Quellen:
Kaiser Leon VI:
Anna Comnena:
Marcus Graecus:
Julius Africanus:
Maurice Mercier:
Ellis Davidson:
J. Haldon, M. Byrne:
H. W. Prinzler:
E. Pászthory:
Th. K. Korres:
Gabriele Pasch:
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